IFMA 2008
By BOB
Bob: Es ist ein harter September für uns, erst kam die Eurobike (mehr hier) und jetzt die IFMA. Die deutsche Traditionsmesse war beinahe 50 Jahre lang eine - mal mehr, mal minder - gute Bühne für die sich rasant ändernde Fahrradindustrie, doch in diesem Jahr schließen sie vorerst ihre Pforten. Die IFMA war war seit jeher eine typische Business-Messe und viele der größeren Unternehmen werden die intensiven Händlergespräche und guten Verkäufe mit Sicherheit vermissen. Eines ist aber nicht von der Hand zu weisen: Die Eurobike hat Fahrradmessen in eine ganz neue Dimension gehoben und nicht einmal die Köln-Messe konnte da mithalten. Ich war immer ein Freund der IFMA, denn Köln als Medienstadt mit all seinen Magazinen, TV-Sendern und Zeitungen ist dem Bike-Marketing sehr entgegen gekommen. Ich denke, die Mischung aus zwei Händler-Tagen und zwei Endverbraucher-Tagen hat der Messe im Endeffekt aber den Hals gebrochen. Das war weder Fisch noch Fleisch - die einen wollten Business machen, die anderen ihr Zeug der Öffentlichkeit vorstellen. Eine vielversprechende Messe ist im Laufe der Jahre leider auf der Strecke geblieben.
IFMA-Party

Bild: Vor dem Dom, das USED-Jahr erwartend. Dan, Nick und Uli (v.l.n.r.)
Bob: Die Party ist immer ein Highlight der IFMA. Tolles Essen, nette Leute und eine atemberaubende Aussicht auf den Rhein und die Kölner Skyline. Mein Freund Christian von web.de war zum ersten (und letzten) Mal bei der IFMA dabei und hat einige interessante Leute getroffen. Falls ihr mit Köln noch nicht näher vertraut seid: Hier trinkt man ein Bier namens "Kölsch", welches traditionell in 0.2l Gläsern ausgeschenkt wird. Das Problem ist nicht das Bier an sich, das ist soweit in Ordnung, aber die Anzahl an Gläsern die man über den Abend verteilt davon leert. Die Bedienungen werden wahrscheinlich nach verteilten Gläsern bezahlt, denn immer wenn man sein Glas grade ausgetrunken hat, wird einem direkt das Nächste in die Hand gedrückt. Das führt auf der Party zu ziemlich seltsamen Gesprächen, aber das kennt ihr von uns Deutschen ja eh schon, oder?
Nick von Carry Freedom ist mit seinem Paper-Bike angereist und die USED Crew rückte mit Uli, Bob und Daniela (die grade rechtzeitig zur Party ankam und Bob und Uli mit dem Aufbau und dem ersten Messetag alleine ließ) an.

Bild: yvonne, elke (ifma-team) versuchen die kunden bei laune zu halten und lachen über bobs witze
Der USED Stand bot eine Mischung aus unseren neuen Produkten und unseren alt bewährten Mobilitätslösungen. Neu dabei: der Long John, unsere CargoRacks, das Carry Freedom Paper Bicycle, das Monark Pedelec 'Eco' und die neue USED Urban Steel Bike-Linie. Wir waren zusammen mit Rohloff, Hebie, HP-Velotechnik, Riese und Müller, KMX und vielen Anderen Teil des VSF-Standes. Es gab großartiges Catering und sehr freundlichen Service und dafür möchten wir uns nochmal herzlichst bei allen Mitarbeitern des VSF-Cafés bedanken. Ich glaube, alleine der USED Stand hat etwa 200 Tassen Kaffee verbraucht (und das nur am Donnerstag ; )).

Bild: ein big boy mit bigboy in den Händen und schweiß auf der stirn! (von Claudia Müller)
USED und Allegro
Uli: Der Single Speed Trend machte auch vor der IFMA keinen Halt. Die Jungs von der Kettenlinie Coeln, einem auf reduzierte Single-Speed Bikes spezialisiertem Händler aus der Domstadt, haben direkt in unserer Schlaglinie eine große Fixie-Sonderschau präsentiert und zogen das Interesse der Besucher auf sich. Das war natürlich auch für uns sehr von Vorteil, schließlich war unsere neue Single-Speed-Serie ("for the jazz in bike-business") auch in Köln ein Hauptaugenmerk unserer Besucher. Als kleines Appetithäppchen für die im nächsten Jahr verfügbaren Kompletträder und Rahmensätze der Urban Steel Bikes, haben wir auf unserer Homepage ein Interview mit dem Entwickler Richard Ayling von Allegro Bikes (Australien) im Videoformat online gestellt. Er erklärt kurz und knapp die Unterschiede unserer fünf Modelle (HHT, Urban Cowboy, Onya, Track und Touring) und geht auf die immer wieder gestellte Frage "Warum macht ihr Stahlräder?" ein. (Zum Videointerview) Informiert euch schon jetzt über unseren neuen Rädern, zusätzliche Informationen schwarz-auf-weiß werden wir so bald wie möglich online verfügbar machen. Vorher haben die Räder allerdings noch ihr obligatorisches Date mit dem Fotografen...
Nazis, USED und die IFMA
Bob: Nun zu einer ernsten Angelegenheit. Am Freitag Abend gingen wir durch Köln um bei einem klasse Italiener Tallatella mit Schrimps und Safran zu essen. Es war ein riesiges Aufgebot an Polizisten in der Stadt, an jeder noch so kleinen Ecke stand eine Traube von Gesetzeshütern. Die Atmosphäre war einschüchternd.
Der Grund dafür war, dass am Samstag eine Herde von Rechtsextremisten in Köln einkehren wollten um gegen den Bau einer Moschee zu demonstrieren. Ich nehme an, dass auch im Ausland darüber berichtet wurde und es sehr beunruhigend erschien. Wir können der Sache aber den Wind aus den Segeln nehmen: Das moderne Deutschland hat nichts mit dem zu tun, was eure Vorurteile euch vielleicht weiß machen wollen.
Der Widerstand gegen die Nazi-Demonstranten begann schon als diese in Köln ankamen, die Taxi-Fahrer haben sie nicht chauffiert, die Hotels boten ihnen keine Zimmer an und auch in den Bars waren sie nicht willkommen.
Am Eingang unseres Hotels (welches auch eine kleine Bar hatte) war ein Poster mit der Aufschrift "Kein Kölsch für Nazis!" angebracht. (siehe Bild)
Bob: Das Beste war allerdings, dass alle Straßen für die Demonstranten durch friedliche Gegendemonstranten gesperrt worden waren und die Demonstration dadurch friedlich niedergeschlagen wurde. Ein Sieg der Demokratie. Wir ziehen unsere Hüte vor den Leuten in Köln und diesem Beispiel einer kritischen Masse, die dem Rechtsextremismus die Stirn bietet und ihm keine Chance gibt ihre Parolen zu verbreiten.
Uli: Die Jungs von der Kettenlinie Coeln haben dem Ganzen übrigens die Krone aufgesetzt und eigens eine "Keine Fixies für Nazis!"-Kampagne gestartet, damit habt ihr nicht nur das Bike-Business zum jubeln gebracht - super Sache!
Cruiser Ausfahrt und der Kaktus in deinem Herzen
Am Samstag fand die traditionelle Cruiser Ausfahrt statt. Sie startete am Dom und führte über den Rhein zum Messegelände, wo sich alle vor dem Eingang versammelten um Fotos zu machen und Bier zu trinken. Ich sah ein Mädchen mit einem grünen Cruiser und einem Kaktus (einem echten!) an ihrem Schutzblech. Natürlich lud ich sie zu unserem Stand ein, machte ein paar Bilder und gab ihr ein Cactus10 T-Shirt und ein Cactus10-Dekor für ihren Cruiser. Die Cruiser Fahrer sind ein Haufen cooler Leute und sind ein gutes Beispiel dafür, wie friedlich die meisten Radfahrer sind. Die gesamte Messe wurde von der Cruiser-Herde, die durch die Hallen fuhr und das Produkt "Fahrrad" auf eine äußerst positive Art promotete, gerockt.

Bild: Das ist "Kaktus 3", der beste cruiser auf der IFMA
Und wohin jetzt, Fahrradbranche?
Bob: Ich möchte Timbuk 3 zitieren: "The future's so bright I gotta wear shades!". Wir sind dort zwar noch nicht ganz angekommen, sind aber auf gutem Wege dahin. Nach der verrückten Eurobike und einer gedämpften, aber positiven IFMA scheint es so, dass das Fahrrad und seine Möglichkeiten als alternatives Transportkonzept immer mehr akzeptiert wird. Gary Fisher nennt moderne Fahrräder einfach "Fahrräder die bewegen" und das fasst es sehr gut zusammen. Meine Eindrücke nach der Messe sind:
Preis - Händler erzählen einem, dass der Preis ein großes Problem und dein Produkt zu teuer sei. Der Verbraucher ist da cleverer. Er kennt die Benzinpreise, er weiß, dass Nahrungsmittel immer teurer werden und er weiß ebenso, dass ein hochwertiges Rad seinen Preis hat. Ich hoffe die Händler lernen von den Verbrauchern und scheuen sich nicht mehr hochwertige Produkte (wie bei USED!) zu verkaufen - wir möchten nochmal darauf hinweisen: "Die Qualität bleibt erhalten, wenn der Preis schon längst vergessen ist."
Nutzen - Man kann so viel mit einem Fahrrad machen. Pendeln, shoppen, lernen, sozialisieren und dabei eine Menge Spaß haben. Schau dir die neidischen Blicke der SUV-Fahrer an, wenn du dir deinen Kasten Bier mit dem Fahrrad aus dem Supermarkt holst - das würden sie auch gerne können - trauen sich aber noch nicht! Du brauchst weniger Platz, lebst nachhaltiger, bist umsichtiger, modern und kannst stolz darauf sein. Du kannst den Leuten ruhigen Herzens erzählen, dass du ein Auto nur benutzt, wenn es unumgänglich ist.
Spaß - Wir lieben was wir tun. Uns gefallen die Produkte die wir verkaufen und die Branche in der wir arbeiten dürfen. Denn es macht großen Spaß in der Fahrradbranche zu arbeiten. In meinen sentimentalen Momenten möchte ich es beinahe mit Liebe, Frieden und dem San Fransisco Ende der 60er vergleichen, aber natürlich ist uns bewusst, dass es im Grunde eine Industrie wie jede Andere ist. Was ich eigentlich sagen will ist, dass ich die meisten Leute aus der Fahrradbranche wirklich gerne mag. Seien es Zulieferer, Kunden, Mitbewerber, die Presse oder wer auch immer - alle haben Spaß an ihrer Arbeit. Auf der Eurobike traf ich Stan Day von SRAM, den ich schon ein paar Mal getroffen habe, und stellte ihn meinem Azubi Uli vor. Stan schüttelte seine Hand, zwinkerte mir zu und sagte: "Weiß er schon, dass wir in dieser Branche alle verrückt sind?" (Spätestens) jetzt weiß er es.
Werft einen Blick auf dieses T-Shirt. Sagt das nicht bereits alles?
Bild: YOU drive me crazy
MONARK in Köln
Bob: Conny von Monark war auch in Köln und hat das neue Monark Pedelec vorgestellt: ECO. Das Interesse an Monarks Transporträdern ist weiterhin ungebrochen. Das Bäckerrad und der Long John waren wie immer sehr beliebt. Das ECO-Pedelec "Powered by Panasonic" ist ein klassisches Stadtrad, aber mit dem Extra an Unterstützung um dich die Berge hochzubringen und lange Strecken problemlos überstehen zu lassen. MONARK hat in Skandinavien eine Menge dieser Räder verkauft und bringt das Rad durch USED nun auch auf den deutschen Markt. Wir haben einige gute Gespräche mit Händlern und Verbrauchern geführt und es scheint so, dass es Bedarf für ein gutes Pedelec mit dem Panasonic-System zu einem fairen Preis gibt.

Bild: ECO-Bike von Monark
Wir möchten jedem, der an unseren Stand vorbeigeschaut hat, danken. Besonderen Dank möchten wir Albert und dem VSF-Team für die Organisation, den Kaffee und die Sympathie, Christian von web.de, den Jungs von Pedal Power und HP-Velotechnik, Kirk und Jo von Iceletta, Rainer von KMX, den Toxy Jungs, Axel von der BICO und dem IFMA-Team: Maren, Elke, Yvonne, Sonja, Tim und dem Rest der Truppe aussprechen. Ihr habt einen guten Job gemacht und wir werden euch vermissen. Wir wünschen viel Erfolg für eure nächsten Projekte.
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